22_Log _ Rio Grande Yacht Club – Rio Grande do Sul

(English text see below)

Ich bin wieder einmal der Meinung, über diesen Yacht Club muss ich schreiben – und auch dieses Mal hebe ich hervor, dass es eine subjektive Beurteilung eines begeisterten Seglers ist. Sachliche Hinweise findet der interessierte Segler im „Brazil Cruising Guide“ von Michel Balette.

Wenn man von Süden kommt ist Rio Grande do Sul der naheliegende weil auch der erste offizielle Einklarierungshafen Brasiliens. Aufgrund meiner Erfahrungen mit den dortigen Behörden, aber auch aufgrund des friedlichen, ruhigen und preiswerten Yacht Clubs in einem geschützten Seitenarm von Rio Grande do Sul, würde ich wenn immer möglich hier ein- und ausklarieren.

Alternativen:

  1. Florianapolis: Hier sind die Behörden ebenfalls sehr hilfsbereit und professionell. Sie liegen aber relativ weit auseinander und sind eigentlich nur mit dem Taxi zu erreichen, ausser man ankert auf der Nordseite der Brücken. Ein weiterer Nachteil ist, dass man mit einem Segelboot mit einem über 17m hohen Mast viel Mut und Zuversicht braucht, um unter der neuen Brücke, die die beiden Florianapolis verbindet, durchzusegeln. Glaubwürdigen Aussagen eines lokalen Seglers zufolge wäre es auch mit 18m möglich – aber wer will denn „gambeln“? Konsequenz daraus: Von Süden kommend fädelt man durch das südliche Engnis beim „Ponta dos Nofragados“ (warum heisst der so?) ein, was nur bei guten Wetterbedingungen empfehlenswert ist. Dann ist vorsichtige Navigation im südlichen Becken bis Florianapolis erforderlich, denn es ist mit Felsen und Sandbänken gespickt. Es sind ungefähr 15 Seemeilen von der Einfahrt bis zur Stadt Florianapolis. Diese Strecke muss dann auch wieder zurück gesegelt werden.Man kann allerdings auch bis zur Nordspitze der Isla de Santa Catharina segeln und im „Annex“ des Iate Clube de Santa Catarina an einer Boje fest machen. Es ist ein wunderschöner Ankerplatz und gut gesichert gegen Südstörungen, allerdings relativ exponiert gegen Nordost. Von dort sind es dann rund 15 Meilen Autobusfahrt bis Florianapolis zum Einklarieren, ausser man segelt innerhalb der Insel hinunter und ankert in der nördlichen Bucht. (Der Iate Clube de Santa Catarina befindet sich auf der südlichen Seite der 17m Brücke.
  1. Marina de Itajai: s. dazu separate Beschreibung (siehe Log_23)Dazwischen liegt Porto Belo. Erstens handelt es sich nicht um einen Einklarierungshafen und zweitens signalisiert einem der Yacht Club mit der Preisgestaltung deutlich, dass Nichtmitglieder des Clubs nicht erwünscht sind; ankern in der sicheren Bucht und beschränkte Nutzung der Infrastruktur wird toleriert.

 

Die Anfahrt nach Rio Grande do Sul…

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Die Einfahrt mit der dahinterliegenden Lagune, die bis Porto Alegre befahrbar ist.

…ist im Brazilian Cruising Guide sehr gut beschrieben und bebildert. Da es sich um einen kommerziellen Hafen für die Grossschifffahrt handelt, ist dieser grundsätzlich Tag und Nacht ansteuerbar. Es können aber besondere Wetterbedingungen herrschen, die dazu führen, dass die Hafenbehörden die Ein- und Ausfahrt selbst für die Grossschifffahrt verbieten. Gründe sind: Ein starker Südwind/-sturm gegen auslaufendes Wasser aus dem langgestreckten, aber relativ engen Hafenkanal oder ein starker Nordostwind, der in die Lagune (Lagoa dos Patos) vor Porto Alegre bläst – und dadurch zusätzliches Wasser in den Hafenkanal drückt, was dann einen stärker als übliche Ebbestrom auslöst. Schlimmstenfalls drückt dieser dann gegen eine bestehende Dünung einer Süddepression, was chaotische Verhältnisse herbeiführt. Diese doch eher seltenen Phänomene korrekt aus den Wettervorhersagen abzulesen scheint, betroffenen Seglern zufolge, fast unmöglich. Hier gilt die eigene Einschätzung und Erfahrung sowie im Zweifelsfalle ein Kontakt mit den Hafenbehörden von Rio Grande do Sul. – Bei meinen beiden Aufenthalten hatte ich jedes Mal nahezu ideale Verhältnisse und spürte deshalb nur ein Mal bei einem nicht ganz optimal gewählten Einfahrtsmanöver wie es sein könnte, wenn wirklich ungünstige Verhältnisse herrschen.

2Der eigentliche Hafenkanal bietet keine besonderen Herausforderungen. Man kann sich ohne Probleme ausserhalb des betonnten Kanals bewegen und steht damit sicher nicht der Grossschifffahrt, den vielen Lotsen und Schubkänen im Wege. Nach gut 8 sm biegt man in einen Seitenkanal, der zum eigentlichen Ort Rio Grande do Sul führt. Da dieser Teil auch noch von der Grossschifffahrt genutzt wird, ist die Wassertiefe kein Problem. (Meine MaxSea Karte führt mich über die Ilhado Terrapleno de Leste, weshalb Augennavigation angesagt ist.) Bei dieser zweiten Einfahrt stellten wir fest, dass auch der Kanal entlang des Ortes neu ausgebaggert wurde und genug Wasser führt. Einzig nach dem Ortszentrum, Richtung Marine Museum, und dann vor allem in die Seitenbucht des Yacht Club selber wird es seichter (um die 2m) und vorsichtiges Vorantasten ist an gewissen Stellen angebracht. Bei Niedrigwasser und entsprechendem Tiefgang ist es deshalb empfehlenswert, am Ponton des Marinemuseums oder der danach folgenden Installation des Yacht Clubs abzuwarten, bevor man in den Seitenarm der Marina einbiegt. Man kann an diesen Stegen auch bleiben. Am ersten, dem des Museums, ist die Bewilligung des Museumsdirektors, Lauro, einzuholen. Der Aufenthalt ist gratis und er bittet einem bloss, bei Abreise ein maritimes Geschenk zu hinterlassen.

Boxen im Marina-Becken (Seitenarm)

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Im Haupkanal der Steg der Marine – näher zur Stadt derjenige des Museums (s. Cruising Guide)

Der Rio Grande Yacht Club hat Boxen mit Pfählen zum Festmachen – d.h. nicht nur die Wassertiefe, auch die Breite des Bootes muss stimmen! Die Kopfenden sind tiefer und breiter. Problemlos (Tiefe/Breite) kann man am Steg des Yacht Clubs nach dem Museumssteg festmachen. Das hilfsbereite Marina Office weist zusammen mit den Marineros den definitiven Patz zu.

 

Infrastruktur:

Der Club bietet sämtliche Annehmlichkeiten eins brasilianischen Yacht Clubs zu vernünftigen Preisen und mit einer grossen Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit. (Nicht nur von den Offiziellen des Clubs, sondern auch von den Clubmitgliedern – meist Segler.) Die Internetverbindung (von einem Clubmitglied installiert und unterhalten) ist hervorragend und gratis.

Stromanschluss am Steg 110V / 220 im Preis inbegriffen. (Bei unserem zweiten Aufenthalt gab es Probleme infolge Überschwemmung; man war aber sehr bemüht, uns zu helfen.)

Wasser am Steg mit „normalen“ Anschlüssen. Seit unserem zweiten Aufenthalt bestehen Clubzeiten, wann Boote gewaschen werden dürfen; Tankauffüllungen immer. (Dies hat u.a. ökologische Gründe.)

10Die Duschen sind einfach und sauber und befinden sich im Restaurantgebäude. Dort gibt es mittags das klassische Büffet mit Kilopreis. Während der Nebensaison nur mittags; Freitag und Samstag auch abends. Das Restaurantangebot (qualitativ) in der Stadt ist bescheiden.

 

5Ausserhalb des Yacht Clubs befindet sich ein kleiner Laden mit wenig Yachtzubehör; in der Stadt selber finden Segler allerdings eher etwas für ihre Bedürfnisse in den verschiedenen erstaunlich gutbestückten Eisenwarengeschäften.

Einkaufen: Im Stadtzentrum, das zu Fuss in 20 Minuten erreicht ist. Das nächstgelegene Shopping Center mit guter Auswahl befindet sich gegenüber dem Hospital, ca. 10 Minuten zu Fuss entfernt.

Es besteht grundsätzlich die Möglichkeit, das Boot aus dem Wasser zu heben. Der Platz an Land ist jedoch auch hier beschränkt. (Preise erfragen, aber sicher vernünftig.)

Mir wurden zwei Mal Spezialisten (Elektronik / Elektrik) vom Marinaoffice vermittelt. Solide Handwerker/Spezialisten zu vernünftigen Stundenansätzen. Die Verständigungssprache ist aber grundsätzlich Portugiesisch; Clubmitglieder sind allerdings gerne behilflich beim Übersetzten aus dem Englischen.

 

Preise:

Es gibt zwei Frei-Tage und dann eine fixe Preisliste pro Fuss. Für unseren Aufenthalt von über 30 Tagen – z.T. Wetterbedingt – haben wir unter EUR 10/Tag bezahlt. Auch hier stimmt das Preis/Leistungsverhältnis!

 

Diesel:

Auf dem Weg zur Marina fährt man entlang der Stadt. Am Anlegesteg für die Fährboote befindet sich eine Strassentankstelle. Man kann hier an der Quaimauer festmachen – ohne die Fährkatamarane zu stören – und an der Tankstelle ist man mit einem Fass auf Rädern oder einem 50 l Fass behilflich; der Treibstoff ist günstig und sauber.

4 Auf der Hinfahrt habe ich eine Tankstelle für die Fischer am Wasser gesehen. Ich weiss nicht, ob diese ebenfalls benutzt werden könnte. Meine Erfahrungen an der Strassentankstelle waren allerdings gut.

 

 

Behörden:

Policia Fédéral befindet sich in der Stadt, knapp 10 Minuten zu Fuss vom Yacht Club entfernt (Adresse wird vom Marina Office zur Verfügung gestellt.) Dann kann man auf dem nahen zentralen Platz ein Taxi nehmen und zur

Receite Fédéral fahren. Diese befindet sich etwa 30 Minuten zu Fuss vom Zentrum entfernt. Man hatte uns empfohlen, ein Taxi zu nehmen, da die Hafengegend nicht unbedingt sicher sei. Am Tag sind wir dann aber jeweils ohne Probleme zu Fuss zurück zur Stadt gelaufen, denn auf halbem Weg befindet sich die

Capitania dos Portos, der Brasilianischen Marine.

Bei allen Stellen war man äusserst zuvorkommend, hilfsbereit und professionell, auch wenn nicht unbedingt eine Fremdsprache gesprochen wird. (s. dazu die Logbeiträge über unsere zwei Besuche in Rio Grande do Sul.) Dabei haben uns die Beamten jeweils versichert, dass sie für Segler 7/7 und 24h zur Verfügung stehen. Trotzdem ist es empfehlenswert, normale Öffnungszeiten zu beachten und vor allem bei der Capitania dos Portos vorzugsweise morgens – vor 11:30h – vorbei zu gehen.

8Wir haben die Aufenthalte, vor allem nach etwas anstrengenderen Fahrten, in diesem Yacht Club jedes Mal genossen. Die Ruhe und Freundlichkeit ist wohltuend, aber auch die unkomplizierten, lösungsorientierten und zuvorkommenden Behörden machen diesen Ein- und Ausklarierungsort, trotz der etwas adrenalinhaltigen Einfahrt, lohnenswert. Der Ort selber bietet nichts Besonderes, ist aber authentisches brasilianisches Leben in einer ehemals wohlhabenden, heute eher ärmlichen Hafenstadt.

 

 

22_Log _ Rio Grande Yacht Club – Rio Grande do Sul

I am of the opinion that is it worth wile to describe this Yacht Club a little in more details. And this time too I underline that it is the subjective review of a enthusiastic sailor. Facts are better described in the “Brazil Cruising Guide” from Michel Balette.

When coming from the South, Rio Grande do Sul is the obvious place for clearing into Brazil. My experiences with the authorities were always outstanding. The Club is friendly, calm and inexpensive. This is why I would always clear in and out in this place weather and time permitting!

Alternatives:

  1. Florianapolis: Here the authorities are very friendly and helpful too. However, they are spread over the city and Port Authorities can reasonably only be reached by taxi. Another disadvantage to this place is, that if the boat has a mast higher than 17m it is tricky to pass under the new bridge. (Local sailors have reliably claimed that it can be done with an 18 m mast, but who wants the stress?) The consequence is, that, after having passed the south entrance that is not without a certain adrenalin rush, one heads north for about 15 miles – only to return the same way afterwards due to the bridge.One could also anchor at the southern tip of the island of Santa Catarnina at the “Annex Yacht Club” of Florianapolis. It is a beautiful spot and in a strong northerly one has the alternative a little further south and is very well protected, but from these anchorages it is a 15 miles bus drive to the authorities in Florianapolis.

 

  1. Marina de Itajai: (see separate report Log_22)

Porto Belo in between is not an official clearing in/out harbour and the local Yacht Club, mainly for huge motor boats, clearly signals with a ridiculous price structure, that they are not interested in passing sailors. One can however anchor safely in the tranquil bay, get diesel and the use of the infrastructure is tolerated to a certain extend.

 

Approach to Rio Grande do Sul …

… is well described in the Brazil Cruising Guide. As this is one of the busier commercial harbors in Brazil, it can be entered day and night. There can, however, be weather conditions that forces port authorities to forbid in and out even for the big ships. Reasons: A strong southerly that blows against the flood running through the long stretched harbor channel (approx. 10 nautical miles). Or, a very strong northerly that blows into the huge lagoon (Lagoa dos Patos) to the south of Porto Alegre which has the effect that even more water is pushed down the harbor channel. In the worst case this flood pushes then against a swell from a depression that passed in the south. To judge such a situation is nearly impossible with its one’s means on board, tell sailors who have encountered it. In case of uncertainty it is therefore wise to contact Port Authorities. Both times that I entered and left, conditions were optimal. Only once it was suboptimal and I could imagine how it could be.

The harbour channel itself does not represent a particular challenge. Without any problems one can navigate outside the clearly marked channel and by this does not have to bother about the big ships, the many pilot boats and push boats. – After about 8 nautical miles one has to cross the channel and sail through a side arm that leads directly to Rio Grande do Sul. This channel has lately been dredged and there is now no problem passing, however my MaxSea plotter led me right over Ilhado Terrapleno de Leste!

Also the channel long the City of Rio Grande do Sul seems to have been dredged to about 4m, only once passed the City limit, for a short distance to the Maritime Museum and further to the Yacht Club, the depth rises to about 2-3m. At low water and with a critical draft it is advised to stay either at the pontoon of the Marina Museum (if one asks permission of the director Lauro, one can stay for free (a symbolic nautical gift is expected when leaving) with water, electricity and wifi, but with restricted access.) or the following pontoon of the Yacht Club that has enough water at all times.

The Officers and Marineros of the Yacht Club give clear and helpful instructions where to stay depending on availability and length of stay. In the marina there are boxes and therefore it depends not only on the draft and but also width of the boat.

 

Infrastructure:

The Club offers any amenities of a Brazilian Yacht Club at a very reasonable price and with remarkable friendliness. (Not only the officials, also the other Club members, mostly sailors themselves, are very hospitable.)

Internet connection is outstanding, as a member of the club has installed and maintains it!

Electricity at the pontoon: 110V/220 is included in the price. (The last time we were there they had some flooding and as a consequence limited electricity; everybody was helpful to find a solution.)

Water is available directly on the floating and solid pontoons. The access is with “normal” connections, however, the Club released new rules in order to save water. Therefore, boats can only be washed on certain days but tanks can be filled at any time on demand.

Showers are basic but clean and are located in the Club building, where there is also the Club’s restaurant. Meals (buffet Brazilian style i.e. price per kilo) in the off-season are only available at lunchtime and on Friday/Saturday evenings. (Can change any time)

Outside the premises there is a small ship chandler. For specific needs sailors can find it possibly at the surprisingly well stocked hardware stores in town.

There are numerous shopping possibilities in the city centre, about 20 minutes by foot; the next shopping centre is close to the hospital, about 10 minutes from the marina.

The possibility exists to take the boat out of the water but space on the dry is limited. (Prices have to be asked but are certainly reasonable.)

Two times the officers of the Club sent me some specialists (electric/electronic) on requests and I was impressed by their professionalism and reasonable asking price.

 

Prices:

There is a two-days free policy and then a clear and transparent price structure per feet/ boat. For our 43 feet boat and a stay of over 30 days (also because of the meteorological conditions) we paid under EUR 10/day. In this Yacht Club the price/value relation is more than correct.

 

Diesel:

On the way to the Yacht Club one passes in the middle of town – next to the ferry dockings – a gas station for motorcars. One can moor alongside the quay not disturbing the ferryboats. The people from the gas station are helpful either with a barrel on wheels (100l) or with a plastic tank (50l). The diesel is clean and inexpensive.

A little before this place I have seen a gas station for the local fishermen. I have never seen a pleasure boat there and there is also no indication in the Brazil Cruising Guide.

 

Authorities:

Policia Fédéral Is located about 10 minutes from the marina (address from the marina office). Go from there to the centre square and by taxi to …

Receite Fédéral which is a bit outside town in the harbour area. We were advised to take a taxi as harbour areas are always a bit tricky; however we walked back, as

Port Authority is half way back to the city centre and this is during the day no problem. It is about a 20 minutes walk.

All officers are very professional, welcoming and solution oriented even though only exceptionally an other language than Portuguese is spoken. (see comments in the respective previous logs.) At all places they assured us that for sailors they are available 7/7 24h, but I would recommend that under normal circumstances one sticks to the normal office hours and, preferably, at the Capitania dos Portos in the morning before 11:30h.

Every time we enjoyed our stay at this Marina/City. For one the Yacht Club is calm, peaceful and welcoming and the authorities are helpful, professional and solution oriented. Whenever I have to I will chose this place to enter and leave Brazil in the South – even though entry can be some adrenaline demanding. Rio Grande do Sul has nothing particular to talk about it other than being a authentic Brazilian city that has seen better times as a major harbour.

 

 

Kategorie(n): Logbuch

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