Log_26_2017_ Ein gutes Jahr! – mit Denkpause

 

Ja, das Jahr 2017 hat für uns gut begonnen. Nach unserer Rückkehr aus Finnland (s. Log und Fotoalbum) in die ebenfalls nun trocken-kalte Schweiz im Winterkleid, heisst es für mich sofort packen, denn ich hatte ja einen Flug gebucht. Da bleibt nicht viel Zeit zum Nachdenken.

 

 

 

 

 

Schon befinde ich mich bei über 30°C in Recife – denn meine Fluggesellschaft fliegt im Moment Rio nicht mehr direkt an. – Ich werde nun die Gesellschaft definitiv wechseln. Condor entspricht nicht mehr dem, was ich an ihr schätzte. Der Preis allein ist für mich nicht allein bestimmend. Vielmehr muss die Leistung  stimmen.

 

 

Zur Akklimatisierung bleibe ich ein paar Tage in der mir bekannten Pousada los Quatro Cantos in Olinda. – „Abefahre“!

Ich miete ein Auto und fahre nach … ? – Richtig, Joao Pessoa. Dort übernachte ich im futuristischen und direkt am Stadtstrand von Tambau gelegenen „Tropical Hotel Tambau“; das wollte ich schon immer mal … – aber ich hatte ja zu jener Zeit mein Zuhause auf der Margna in der Marina Jacaré. Und drum freue ich mich jetzt aufs Wiedersehen mit meinen Freunden Francis, Nico, Atillo u.a. Die Marina hat sich sehr positiv entwickelt und ich werde auf meinem Weg nach Norden bestimmt wieder für einige Zeit dort festmachen!

 

 

 

 

Und natürlich trinke ich auch einen Caipi in der sympathischen kleinen Bar im benachbarten Touristendörfchen und sehe und höre Jurandy seinen Bolero zum Sonnenuntergang auf dem Fluss draussen spielen. Heimweh? Vielleicht ein bisschen.

 

Dann aber fliege ich nach Rio und bleibe auch da eine Woche. Ich weiss ja, Margna ist in der Marina Engenho in Paraty gut aufgehoben. In Anna’s Airbnb in Santa Teresa fühle ich mich inzwischen ebenfalls zuhause. Zuhause ist für mich wohl da, wo ich jeweils bin und mich wohl fühle? Jetzt habe ich Zeit zum Nachdenken bei den Strandspaziergängen in Copacabana und Ipanema. Aber der Carnaval naht. Ich habe ihn letztes Jahr genossen – also nicht schon wieder.

 

 

 

 

Deshalb zieht es mich nach Praty – zu Margna. Es ist natürlich auch Carnavalstreiben in Paraty. Mir gefallen zwar die Dekorationen des pittoresken Städtchens. Die Carnavals- Aktivitäten an sich halten sich zum Glück in Grenzen und sind fast unauffällig. So lasse ich die Bordroutine überhand nehmen.

 

Die Denkpause:

Mit der Familie halte ich Kontakt via Skype und WhatsApp (ja, ich habe mich schliesslich doch überreden lassen). Meine Skepsis gegenüber den Social Medias ist vielleicht altersbedingt. Allerdings erstaunt mich, wie gerade die jüngere Generation Facebook bereits wieder den Rücken kehrt; dafür interessiert sich plötzlich die älteren Generation vermehrt dafür? Ganz sicher werde ich  diesem Trend nicht folgen; vielleicht ist meine Skepsis doch nicht altersbedingt?

Der Wahlkampf in Amerika hinterlässt tiefe Spuren in diesen neuen Medien. Ich bin überrascht über die zum Teil stupide Oberflächlichkeit, die doch unterschwellige Gefährlichkeit der verdeckten Einflussnahme und verstehe diese Welt nicht mehr. Dabei beruhigt, dass ich nicht alleine bin. Auch bei der jüngeren Generationen regt sich mehr und mehr eine gesunde Skepsis und macht vorsichtigerem Verhalten Platz. Trotzdem sind die negativen wie die positiven Einflüsse durch diese Instrumente erstaunlich nachhaltig. Sich diesen einfach aus Prinzip zu verweigern ist vermutlich ebenso falsch, wie ihnen blind zu folgen. Diese Überlegungen zwingen mich, meine eigene Kommunikation über diese Homepage ganz grundsätzlich kritisch zu hinterfragen:

Ist diese Homepage nicht einfach eine andere Form von „Facebook“? Warum betreibe ich eigentlich diese Homepage? Wie viel Persönliches bin ich, wenn überhaupt, bereit preiszugeben? Wie verhält es sich mit meinen Kontakten – den Fotos? Wen interessiert es eigentlich, was ich mache? Wie gross ist die Sensationslust meiner „Follower“ und wie viel Spannendes muss ich deshalb liefern: Kap Horn, Stürme, „Sex and Crime“? – Ich meine es mit diesen Fragen nicht in allen Facetten tierisch ernst, aber ich denke doch während des ganzen Jahres immer wieder  über diese nach. Es gibt Momente, da bin ich nahe dabei, diese Homepage im elektronischen Nirwana still und leise untergehen zu lassen. Wenn ich aus persönlichen Gründen bei Facebook und Co. nicht dabei bin – wie anders verhält ist es dann mit dieser Homepage? Was sind die Alternativen? Dauerndes „whatsappen“ und Twittern und Co. ? – Sicher nicht! Da sehe ich zu viele schlechte – ja, chrottenschlechte – Beispiele.

Wir hatten die Homepage seinerzeit ins Leben gerufen, weil wir bei anderen Seglern sehr viel über deren Ausrüstung, Routen und Lebensweisen erfahren konnten, was uns selber bei unseren Vorbereitungen viel geholfen hatte. Und auch schon damals wollten wir unsere Freunde und Bekannten nicht mit Mails und SMS zumüllen. Wir wollten informieren was wir so tun, uns beschäftigt und wo wir sind – aber nicht real time! Alles aber nur für diejenigen, die sich dafür interessieren. Ein Newsletter an angemeldete Bekannte hat jeweils darauf hingewiesen, wenn wieder Neuigkeiten aufgeschaltet wurden. (Mit der notwendigen gewordenen Erneuerung der Homepage ging leider ein Teil der Adressdatei in der elektronische Wolke verloren. (Nein, ich bin auch nicht in einer Cloud!) Es gibt aber heute schon Möglichkeiten, automatisch darüber informiert zu werden, wenn wieder etwas Neues auf einer Homepage aufgeschaltet wird.)

Nun, nach längerer Denkpause komme ich zum Schluss, dass sich eigentlich an der früheren Zielsetzung nichts geändert hat. Und daran ändern auch die wild gewordenen Social Medias nichts. Die Systeme sind gut – deren Anwendung / Anwender manchmal eben nicht.

Das ist dann auch die Quintessenz meiner kritischen Gedankenreise. Ich / wir fahren weiter und versuchen, nicht in die Selfie-Manie und den Seelenstriptease abzugleiten. Es wird also auch unser – eben „öffentliches“ – Tagebuch für uns bleiben. Also: Es geht weiter!

Ende der Denkpause!

 

Eines Morgens erreicht mich eine Mitteilung meines Freundes Muni: „Ich folge deiner Einladung! Habe den Flug gebucht“. So spontan ist er! Und schon hole ich ihn vom Flughafen in Rio ab. Wir haben eine tolle Zeit, sogar auf dem Wasser, da wo Muni eigentlich nie mehr hin wollte seit Peter Räber’s Transatlantikblues: „…. und s letschte Bier isch trunke … was für es Ehländ!“ (s. auch Fotoalbum: „Traumsegeln in der Bucht von Ilha Grande“)

 

 

 

Aufgrund seiner spontanen Buchung/Umbuchung ergibt sich allerdings ein Terminkonflikt: Ich habe eine Einladung zur Kapellen-Einweihung bei meinen Freunden Manette und Jacques auf deren Farm in Uruguay. Aber Probleme sind bekanntlich dazu da, gelöst zu werden. In seiner spontanen Art begleitet mich Muni nach Uruguay.

 

 

Er lernt so ein neues südamerikanisches Land kennen und kann an der denkwürdigen und zugleich schlichten Einweihungsfeier der Kapelle teil nehmen. Er reist dann alleine via Sao Paulo nach Rio und von dort zurück in die Schweiz – nicht ganz ohne Stressfaktor in Sao Paulo. Ich hingegen hatte meinen Stressfaktor bei der Hinreise. Nach der viereinhalb stündigen Busreise von Paraty nach Rio stelle ich beim Einchecken ins Hotel am Vorabend unseres Fluges fest, dass ich meinen Pass bei den Bootspapieren auf dem Boot zurück liess. (Die brauche ich ja nicht in Uruguay –den Pass aber schon!) Also Taxi gebucht und dreieinhalb Stunden zurück aufs Boot und dreieinhalb Stunden wieder nach Rio; Muni steht eben auf, um eine Dusche zu nehmen. Wir sind dann zeitgerecht abgeflogen!

 

Es bleibt mir nach meiner Rückkehr wenig Zeit, Margna unter Zollverschluss zu stellen. Zwei Mal reise ich dafür nach Angras dos Reis – je 300 km hin und zurück! Erst dann kann ich packen und fliege zurück in die Schweiz für meine „Sommerferien“, während es auf der Südhalbkugel Herbst wird.

 

 

Ankunft in Basel bei Eisregen! Was für ein Willkommen. Dann aber kommt der Frühling mit seiner Blütenpracht … und dann nochmals ein destruktiver Eisregen. Ähnlich wie bei der Seglerei: Man muss mit den Kapriolen der Natur leben.

 

 

 

 

 

 

Familientreffen bei Geburtstagen und Kapriolen mit den Enkeln hinterlassen Spuren.

 

 

 

 

 

Und dann ist sie – AixGaleriGulata – da, um segelfertig gemacht zu werden. Ein schöner Sommer erwartet uns. Ich geniesse es immer noch, fast sorglos auf den Schweizer Seen einfach nur zu segeln – zu geniessen!

 

 

 

Les Sables ruft – wie jedes Jahr!

 

 

 

Diesmal geht es darum, meinen Freunden beim Umzug zu helfen. Es ist nicht das erste Mal, aber sie versichern, dass dies wirklich das letzte Mal sei; wir werden sehen. Gleichzeitig verhandle ich mit den Hafenbehörden in Les Sables über meinen Hafenplatz: Ich bin auf Position Nr. 1 – ich habe den Platz! Aber Margna ist noch in Brasilien. 2018 muss die Entscheidung fallen. Zurück nach Les Sables und die Gewässer des nördlichen Atlantiks erkunden – oder doch nochmals eine Zeitverlängerung für weitere exotische Seereisen. Der Frühlings Törn, nach zehn Jahren Unterwegssein, wird es weisen.

Dann: Zum ersten Mal seit 10 Jahren schwimme ich in Les Sables im Nordatlantik. Schon oft hat es mich gereizt, nie habe ich es getan, bis heute. Es wird bestimmt nicht das letzte Mal sein.

 

Die Seen in der Ostschweiz sind dafür eher für Warmduscher gemacht – ausser im Oktober 2016! Der Sommer hat nun aber definitiv Einzug gehalten. Die Aix muss segelfertig werden. Ich prüfe wieder mal das ganze Rigg – und dabei passiert’s: Mastfuss gebrochen! Das wird eine relativ aufwändige Reparatur. „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“…!

 

 

 

 

 

Dann die erste Hochzeitsfeier in diesem Jahr. Ein tolles Fest bei dem ich die ganze Familie von Gisela kennen lerne – vor allem auch beim typischen „Ostschweizer-Nägeleinschlagen“?!

 

 

 

 

 

Und ein weiterer – oder besser gesagt weitere Geburtstagsfeiern stehen an. Mein Cousin aus Australien kommt mit der ganzen Familie in die Schweiz.

Zusammen mit seinem Vater bringen die zwei mit ihren runden Geburtstagen 140 Jahre auf die Wage. Insgesamt feiern wir allerdings 210 runde Jahre! Ein tolles Fest!

 

Dazwischen bleibt auch Zeit zum Segeln auf den Jura Seen inklusive Segelprüfung des „Landeis …“

 

 

 

 

 

 

 

Bestanden!

 

 

 

 

 

 

 

Ein spontaner Abstecher aus speziellem Anlass nach Trumplandia. – Es gab wirklich gute Gründe sonst ….

 

 

 

 

 

 

 

 

„Altweibersommer“ (ist das politisch noch korrekt?) in der Ostschweiz. Ein wunderbarer Sommer neigt sich dem Ende zu – also noch rasch ein gemeinsamer Schwumm im Rhein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und wieder mal ein runder Geburtstag.

 

 

 

 

 

Ein letzter Ausflug auf dem Bielersee – mit einer neuen Herausforderung…

 

 

 

 

 

 

 

 

Dann wird es Herbst – ein goldener Herbst mit Geburtstagsfest, Hochzeit in Italien und einem speziellen

 

 

 

 

 

Geburtstagsgeschenk für Onkel Max zu seinem 90igsten – eine Reise zurück um siebzig Jahre!

 

 

 

 

 

 

Und dann ist schon wieder Rückreisezeit nach Brasilien. Definitiver Hinweis auf die anstehende Abreise ist, als ich Aix aus dem Wasser hebe und für die Winterpause vorbereite.

 

 

 

 

 

Ein letztes Glas – nein nicht im Stehen – und dann bringt mich der Flug wieder nach Rio, mit einem Zwischenaufenthalt im Airbnb und dann in die Bucht von Ilha Grande…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

… wo es mit Einrichten und Putzen wieder von vorne anfängt. Aber auch das Geniessen kommt nicht zu kurz … nur so alleine?

 

 

 

Aber viel Zeit bleibt mir dieses Mal nicht. Ich habe mit Freunden in Bolivien abgemacht. Das Land hoch in den Anden interessierte mich schon lange. Die Frau meines früheren Arbeitskollegen Beat ist Bolivianerin. Eine bessere Einführung könnte ich mir nicht wünschen. Der Aufenthalt ist mit zehn Tagen zu kurz für mich, aber die erlebten Eindrücke bestätigen: Da fahre ich/wir nochmals hin – für länger. (s. Fotoalbum: „ Reise nach Bolivien“)

Zurück via Sao Paulo – natürlich mit einem kleinen Zwischenhalt. Dieses New York in Südamerika fasziniert mich. Mit dem Bus kehre ich dann von dort in etwas über fünf Stunden zu Margna zurück. Es gilt, sie für eine kurze Abwesenheit wieder her zu richten. Dazu muss ich sie wieder unter Zollverschluss geben. (Das Boot darf wohl zwei Jahre im Land bleiben, allerdings müsste sie bei Ausreise von mir (Ablauf des dreimonatigen Visums) ebenfalls das Land verlassen. Dadurch, dass ich sie unter Zollverschluss gebe – das heisst die Marina übernimmt während meiner Abwesenheit die Verantwortung für Margna – kann das Schiff bleiben, bis ich zurück komme. Dann habe ich wieder die Erlaubnis, während der Dauer meines Visums (3 Monate) in den brasilianischen Gewässern zu segeln. Im Mai laufen die zwei Jahre (schon wieder!) ab. So werde ich mit Gisela und Philippe im März / April ausreisen nach Montevideo.

Zuerst aber verbringe ich ruhige und lichterfüllte Weihnachtstage mit den Familien – ja, das heisst so in der heutigen Zeit! Den Jahreswechsel lassen wir ebenfalls ruhig – schlafend! – über uns ergehen, denn welchen wollen wir feiern, Schweiz oder Brasilien?

Auf ein neues gutes Jahr 2018 – mit mehr Disziplin in der Homepage Führung!

 

Kategorie(n): Logbuch

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